Sprechstunde

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Fragen und Antworten zum Grippeschutz.

IMPFSPRECHSTUNDE – DIE HÄUFIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN

Wieso, weshalb, warum? In unserer virtuellen Impfsprechstunde erhalten Sie die Antworten zu den häufigsten Fragen rund um die Grippe und Grippeschutzimpfung.

Fragen zur Grippe

Was ist eine Grippe und was macht sie so gefährlich?

Die Influenza ist eine ernst zu nehmende Infektionskrankheit und nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt, der uns zur Erkältungszeit häufig attestiert wird. Ausgelöst wird eine echte Grippe durch Influenzaviren. Sie dringen über die Schleimhäute in den Körper ein und haben nur ein Ziel: Vermehrung. Unser Immunsystem sucht für die unbekannten Eindringlinge eine passende Abwehrreaktion und stößt bei Influenzaviren sofort an seine Grenzen. Strömen nun noch weitere Krankheitseinflüsse auf das Immunsystem ein, sind wir diesen fast schutzlos ausgeliefert. Das macht die Grippe so gefährlich. Vor allem bei älteren und geschwächten Personen, zum Beispiel durch chronische Erkrankungen, kann sich eine Influenza zu einer schweren Lungenentzündung weiterentwickeln oder mit anderen ernst zu nehmenden Komplikationen einhergehen. Durchschnittlich liegt die Zahl der Grippe-Todesopfer pro Jahr bei etwa 10.000 Menschen. In der Grippesaison 2012/2013 zählte das Robert Koch-Institut sogar 20.000 bis 30.000 Grippe-tote in Deutschland. Dass so viele Menschen an der Grippe sterben, muss nicht sein. Denn gegen Influenzaviren gibt es eine Impfung.

Warum soll ich mich gegen Grippe impfen lassen, ich bin doch gesund?

Eine Impfung ist immer eine vorbeugende Maßnahme, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern. Die Grippeschutzimpfung erhalten Sie daher immer, wenn Sie sich gesund fühlen und die Krankheit noch in weiter Ferne liegt. Auch wenn Sie als gesunder Mensch eine Grippe meist relativ problemlos überstehen, werden Sie mindestens für einige Tage ans Bett gefesselt sein. Da fangen besonders für Eltern mit kleinen Kindern, Selbstständige oder Arbeitnehmer die Probleme meist bereits an. Wenn Sie sich keinen Ausfall leisten können oder wollen, empfiehlt sich die Grippeschutzimpfung besonders, da sie eine Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert.

Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen

Auch wenn Sie sich nach einer Infektion mit Grippeviren überhaupt noch nicht krank fühlen, können Sie die Influenza bereits auf andere übertragen. Besonders die älteren und geschwächten Personen unserer Gesellschaft haben mit der Grippe zu kämpfen. Achten Sie nicht nur auf sich, sondern auch auf andere und übernehmen Sie mit einer Grippeimpfung Verantwortung.

Je mehr Menschen geimpft sind, desto unwahrscheinlicher wird eine Grippeepidemie

Die Zahl der Erkrankungen und die Auswirkungen der zu erwartenden Grippewelle unterliegen starken Schwankungen. 2012/2013 kämpften wir mit der zweitschwersten Grippewelle der letzten zehn Jahre. Geschätzte 7,7 Millionen influenzabedingte Arztbesuche wurden über 19 Wochen verzeichnet – nur 2004/2005 waren diese Zahlen höher. Die Zahl der Krankschreibungen erreichte mit geschätzten 3,4 Millionen Personen (zwischen 15 und 59 Jahren) den höchsten Wert in den letzten zehn Jahren. Die Möglichkeiten, sich gegen Grippe zu schützen, sollten unabhängig von der vorherigen Grippewelle jedes Jahr wahrgenommen werden. Nur durch eine Impfung kann die Zahl der zusätzlichen Arztbesuche und Krankschreibungen dauerhaft stabil gesenkt werden.

Ich hatte noch nie eine Grippe. Bin ich trotzdem gefährdet?

Die Grippe kann jeden treffen. Wenn Sie bisher noch nicht an einer Grippe erkrankten, ist das keine Garantie für die Zukunft. Jährlich infizieren sich in der Grippesaison von Dezember bis April Tausende Menschen in Deutschland. Durch eine gesunde Lebensführung können Sie zwar Ihr Immunsystem stärken und eventuell eine Erkältung abwehren, eine Influenza-infektion können Sie so aber nicht verhindern. Der beste Schutz gegen eine Infektion ist die jährliche Grippeschutzimpfung.

Wie kann ich mich mit Grippeviren anstecken?

In den meisten Fällen wird eine Grippe durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, die Viren werden beim Niesen, Sprechen, Husten oder Küssen weitergegeben. Aber auch ohne direkten Kontakt ist eine Übertragung möglich, denn die Erreger sind hartnäckig und können für eine gewisse Zeit auf Kontaktflächen wie beispielsweise Türklinken überleben. Bis zu hundertmal am Tag fassen wir Menschen uns mit den Händen ins Gesicht, die Finger gelangen dabei an die Augen, die Nase und den Mund. Über die Bindehaut der Augen oder über die Schleimhäute der Nase gelangen die Viren von den Händen dann weiter in den Körper. Um sich und andere vor einer Infektion zu schützen, sollten Sie zum Beispiel Ihre Hände mehrmals täglich mit Wasser und Seife waschen, wenn möglich auf das gesellschaftliche Händeschütteln (in der Grippesaison) verzichten und sich beim Husten und Niesen Ihrer Armbeuge zuwenden. Diese Vorsichtsmaßnahmen schützen bedingt vor einer Ansteckung. Wer ganz sichergehen will, sollte sich gegen die saisonale Grippe impfen lassen, um sich selbst und andere vor einer Erkrankung zuverlässig zu schützen.

Was passiert nach einer Grippeinfektion im Körper?

Wenn Grippeviren in den Körper eindringen, haben sie nur ein Ziel: Vermehrung! Dazu benötigen sie lebende Zellen von Mensch oder Tier, sogenannte Wirtszellen.
  • Phase 1: Andocken an und Eindringen des Virus in die Wirtszelle Mithilfe des Oberflächeneiweißes Hämagglutinin (H) heften sich die Influenzaviren an Rezeptoren auf den Schleimhautzellen der Atemwege, dringen in die Zellen ein und setzen im Zellinneren ihre Erbsubstanzen frei.
  • Phase 2: Vermehrung Zur eigenen Vermehrung missbrauchen die Influenzaviren den Stoffwechsel der Wirtszelle. Die virale Erbsubstanz zwingt die Wirtszelle, ihre eigenen Stoffwechselvorgänge einzustellen und nur noch neue Virusbestandteile herzustellen.
  • Phase 3: Virusneubildung und Freisetzung der Viren Die neu gebildeten Virenbestandteile schließen sich zu neuen Influenzaviren zusammen. Diese kleben zunächst an den Rezeptoren der Zelloberfläche. Die viruseigene Neuraminidase löst die Bindung zwischen Virus und Zelloberfläche. Damit wird die Wirtszelle endgültig zerstört und die Influenzaviren werden im Körper freigesetzt – die Folge ist eine schnelle Verbreitung und Vermehrung der Influenzaviren in den gesamten Atemwegen.
Die typischen Grippesymptome sind als Zeichen der aktiven Abwehr zu verstehen. Der Körper nimmt den Kampf gegen die Grippeviren auf und produziert passende Antikörper.

Fragen zur Grippeschutzimpfung

Ich habe mich mal gegen Grippe impfen lassen und war danach erst richtig krank

Die Grippeimpfung schützt vor einer echten Grippe, nicht aber vor einer Erkältung. Vermutlich haben Sie sich mit Erkältungsviren angesteckt. Dass Sie durch eine Grippe-schutzimpfung direkt eine Grippe bekommen, ist ein Mythos, der sich in der Bevölkerung seit langer Zeit am Leben hält. Zur Herstellung von Grippeimpfstoffen werden zwar echte Viren in bebrütete Hühnereier gespritzt, im weiteren Produktionsprozess werden die Viren aber vollständig abgetötet. Es gibt mehrere Produktionsverfahren zur Herstellung von Grippeimpfstoff, aber keiner der Impfstoffe enthält lebende Viren.

Wie funktioniert die Grippeimpfung?

Durch eine Impfung lernt das Immunsystem den „Gegner“ bereits in abgeschwächter Form kennen und kann sich auf den Ernstfall vorbereiten. Um einen Impfschutz zu erzeugen, braucht man kein komplettes Virus, sondern lediglich Teile der Oberfläche. Das Immunsystem „erinnert“ sich bei einem echten Angriff an die Oberfläche des Virus und produziert die zur Bekämpfung passenden Antikörper. Eine Injektion bewahrt dadurch bis zu 90 Prozent der Geimpften vor einer Ansteckung und ist somit der sicherste Schutz gegen Grippe.

Wann sollte ich mich impfen lassen und wie lange hält der Schutz?

Der beste Zeitpunkt für die Impfung liegt vor Beginn der Grippesaison, zwischen September und November. Wichtig zu wissen: Der Körper benötigt nach der Impfung ca. zwei bis drei Wochen, um den Schutz vollständig aufzubauen. Eine Impfung kann aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll sein, da der Ausbruch der Grippewelle von Jahr zu Jahr variiert. Lassen Sie sich schnellstmöglich von Ihrem Hausarzt beraten, dieser kann beim Robert Koch-Institut die aktuellen Informationen zur Grippesaison einsehen. Der Impfschutz hält etwa sechs Monate an.

Warum sollte ich mich jedes Jahr erneut gegen Grippe impfen lassen?

Influenzaviren verändern sich ständig. Im Fachjargon heißt dieser Vorgang Mutation. Die daraus resultierende veränderte Oberfläche des Virus wird dann nicht mehr von der geschulten Körperabwehr der letzten Saison erkannt und das Virus kann sich wieder schnell im Körper ausbreiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet permanent die Entwicklung der Erreger und gibt ihre Erkenntnisse an die Impfstoffhersteller weiter. Diese entwickeln jedes Jahr einen neuen Impfstoff gegen die zu erwartenden Virustypen.

Was muss ich nach der Impfung beachten?

Nach der Grippeimpfung müssen Sie sich nicht besonders schonen. Vermeiden Sie allerdings ungewohnte körperliche Belastungen, sodass Ihr Immunsystem sich auf die Bildung von Antikörpern konzentrieren kann.

Sind alle Impfstoffe gleich?

Die verfügbaren Impfstoffe unterscheiden sich vor allem in den verimpften Virusbestandteilen. Es gibt dabei Sub-Unit, Ganzvirus- oder Lebendimpfstoffe. Die meisten bestehen aus abgetöteten Grippe-Viren und enthalten keine so genannten Wirkverstärker. Impfungen mit diesem Wirkverstärker sollen ältere Menschen besser schützen, aber endgültige Beweise stehen noch aus. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welcher Grippeimpfstoff für Sie der passende ist.

Ich nehme noch andere Medikamente. Vertragen sich diese mit der Grippeschutzimpfung?

Wenn Sie sich gerade einer immunsuppressiven (das Immunsystem schwächenden) Behandlung unterliegen, kann das Ansprechen auf die Grippeschutzimpfung herabgesetzt sein. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt. Für weitere Informationen fragen Sie bitte Ihren Arzt.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenversicherungen erstatten die Kosten für alle Personengruppen, für die eine Empfehlung der STIKO vorliegt. Aber auch bei Personen, die in der STIKO-Empfehlung nicht eingeschlossen sind, übernehmen die Krankenkassen in vielen Fällen die Kosten. Auch wenn Sie nicht zu den Risikogruppen gehören, ist die Impfung ein wichtiger Schutz für Sie und Personen in Ihrer Umgebung. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, viele übernehmen die Kosten!

Fragen zur Impfempfehlung

Wer ist besonders gefährdet?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Influenzaimpfung für Risikogruppen. Darunter fallen alle Personen ab 60 Jahren, Schwangere, Kinder und Erwachsene mit einem Grundleiden wie zum Beispiel Asthma, Diabetes, Herz- oder Kreislaufkrankheiten. Auch Personen mit einer angeborenen Immunschwäche sollten geimpft werden. Weitere Risikokandidaten sind Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie Arbeitnehmer, die mit vielen Menschen in Kontakt kommen, zum Beispiel in Krankenhäusern, Schulen oder im Einzelhandel.

Bin ich als Schwangere besonders gefährdet?

Ja, da es sich bei der Grippe um eine schwerwiegende Erkrankung mit Potenzial zu Komplikationen handelt, sollte eine Grippeinfektion in der Schwangerschaft möglichst verhindert werden. Die Grippeimpfung wird in der Regel im vierten Schwangerschaftsmonat vorgenommen, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ist die Impfung bereits im ersten Schwangerschaftsmonat empfohlen. Fällt das letzte Trimester der Schwangerschaft in den Herbst oder Winter, ist die Grippeschutzimpfung besonders zu empfehlen. Achten Sie darauf, gemeinsam mit Ihrem Arzt einen geeigneten Impfstoff auszuwählen, der möglichst wenige Zusatzstoffe und keine Wirkverstärker enthält.

Sollte ich meine Kinder impfen lassen?

Bei gesunden Kindern und Jugendlichen verläuft die Grippe meist ohne weitere Komplikationen. Natürlich können Sie Kinder mit einer Impfung trotzdem vor der Erkrankung schützen und vermeiden so auch die Übertragung der Grippe auf andere Personen. Zum Beispiel Großeltern oder chronisch Kranke können so nicht mehr von Kindern angesteckt werden. Leidet Ihr Kind an einer chronischen Erkrankung, sollte es auf jeden Fall geimpft werden. Die Grippeimpfung wird von Kindern und Jugendlichen meist gut vertragen. Kinder bis 36 Monate erhalten üblicherweise die halbe Dosis der Erwachsenen.

Wie verträglich ist eine Grippeschutzimpfung?

Eine Grippeschutzimpfung wird in der Regel sehr gut vertragen. Die meisten Menschen reagieren gar nicht auf den kleinen Pieks. Wie bei jedem Medikament kann es aber auch Nebenwirkungen geben. Ein bis zwei Tage nach der Impfung können normale Impfreaktionen auftreten, zum Beispiel Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle, leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Das ist ein Zeichen, dass Ihre körpereigene Abwehr arbeitet. Sehr selten können Entzündungen der Gefäße und eine vorübergehende Absenkung der Blutplättchen auftreten. Ob weitere Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen auftreten, hängt außerdem davon ab, welche zusätzlichen Stoffe noch enthalten sind. Wählen Sie möglichst einen Impfstoff, der frei von Konservierungsmitteln, Produktionsrückständen oder Zusatzstoffen ist. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Ich bin Allergiker, kann ich trotzdem geimpft werden?

Auch Allergiker vertragen eine Grippeimpfung meist sehr gut. Besprechen Sie Ihre bekannten Allergien bereits vor der Impfung mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich bezüglich des Grippeimpfstoffes beraten. Liegt zum Beispiel eine Hühnereiweißallergie vor, muss der Arzt entscheiden, welches Produkt geeignet ist. Um sicherzugehen, dass es zu weniger allergischen Reaktionen kommt, kann ein Impfstoff ausgewählt werden, der möglichst keine Zusatzstoffe enthält.

Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Personen, die zum Zeitpunkt der Impfung an einer akuten fiebrigen Erkrankung leiden, sollten die Impfung lieber auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Quellenangaben

6 http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/03_15.pdf?__blob=publicationFile
7 http://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2013/08_2013.html?nn=3552964